am 21.8.2008 begannen die Arbeiten für einen so genannten „Lounge-Bereich“ in der Grabenstraße. Unter Wegfall von PKW Stellplätzen entsteht hier eine Außenbestuhlungsfläche für den benachbarten Betrieb „Bäckerbub“ der Familie Dries.
Dies hat die WIR Fraktion doch sehr überrascht, da einen Tag vor Baubeginn der Planungs- und Umweltausschuss in seiner Sitzung am 20.8.2008 einen einstimmigen Beschluss gefasst hat, dass sämtliche Planungen im Bereich der Grabenstraße durch Ausschuss und Stadtverordnetenversammlung beraten und beschlossen werden müssen, bevor eine Genehmigung erteilt wird. Dieser Beschluss gilt auch für eventuell bereits erteilte Genehmigungen. Interessanter Weise waren die beiden Herren Dries (Martin und Stefan) bei dieser Sitzung anwesend und wussten von dieser Beschlussfassung.
Deshalb vermutet die WIR, dass mit der umgehenden Bauausführung „vollendete Tatsachen“ geschaffen werden sollen.
Die WIR Fraktion ist mit dieser Entwicklung gar nicht einverstanden, so der Vorsitzende Udo Lill. Bisher wurden Planungen des öffentlichen Straßenraumes immer ausgiebig öffentlich beraten, um zu einer vernünftigen Lösung zu kommen. Besonders ärgerlich ist in dieser Angelegenheit, dass Bürgermeister Mosler die Genehmigung durch massiven persönlichen Einsatz und unter Umgehung der öffentlichen Gremien durchgeboxt hat. Es hat ja gerade zu den Eindruck, als solle hier einem verdienten Parteifreund (Paul Dries ist Vorsitzender der CDU Mittelstandvereinigung) für die Unterstützung im Wahlkampf gedankt werden.
Dabei hatte Lill in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des P+U Ausschusses in der Stadtverordnetenversammlung den Bürgermeister noch darauf hingewiesen, dass die schon damals bekannte Planung in seinem Ausschuss diskutiert werden müsste. Mosler hatte erklärt, dass nach einer Ortsbesichtigung durch den Magistrat, er auf die Gremien zukommen würde.
Im Planungsausschuss darauf angesprochen, warum der Magistrat solche grundlegenden Gestaltungsfragen alleine entschieden hat, versuchte sich der Bürgermeister aus der unglücklichen Situation herauszureden. und wollte von seiner Zusage in der Stadtverordnetenversammlung nichts mehr wissen
Lill gibt zu bedenken, dass gerade in diesem Jahr die Neugestaltung der Rheinstraße begonnen hat. Dabei hatten die Mandatsträger festgestellt, dass die Verbreiterung nicht für zusätzliche Außengastronomie genutzt werde solle. Am 20.8.2008 wurde der 2. und 3. Bauabschnitt, der bis zur Grabenstraße reicht nun beschlossen. 10 Meter um die Ecke in der Grabenstraße wird jetzt, mit Billigung des Bürgermeisters, eine Baumaßnahme durchgeführt, die alles andere als ansprechend ist und zu einer Verunstaltung führt.
Die Glaswände zur Fahrbahn sind völlig unpassend in diesem Kreuzungsbereich und erinnert stark an ein Aquarium. Die Bodenkonstruktion aus Holz ist nicht das, was sich die WIR unter Stadtgestaltung vorstellt. Lill ist schon sehr verwundert, dass eine solche Maßnahme vom Rheingau Taunus Kreis, der ja Baugenehmigungsbehörde ist, überhaupt genehmigt wurde. Auffallend ist auch, dass die Denkmalschutzbehörde, die ansonsten in Rüdesheim sofort tätig wird diese markante Stelle offensichtlich übersieht. So wurde schon gegen den Werbeanstrich der Bäckerbub Fassade im Farbton einer Fast Food Kette nicht eingeschritten. Dabei besteht doch angeblich in Rüdesheim Esemble Schutz für die Altstadt und die bestehende Veränderungssperre eröffnet zusätzliche Möglichkeiten.
Nun ist noch festzustellen, dass unter Berücksichtigung des Gleichheitsgrundsatzes auch die anderen drei gastronomischen Betriebe in der Grabenstraße ein Recht auf Genehmigung einer solchen Außennutzung haben. Nicht nur, dass dann die hausnahen Stellplätze wegfallen, sondern es wird die jetzt schon installierte Glaswand weitergeführt. Dies ist nicht im Sinne der WIR.
Die WIR verlangt, dass die Stadtverordnetenversammlung sich umgehend mit dieser Angelegenheit befasst. Dem Bürgermeister legt die Fraktion nahe, endlich das Ausschalten von städtischen Gremien aufzugeben. Es hat Rüdesheim bisher noch nie genutzt, wenn Politik und Entscheidungen in kleinem Kreis nicht öffentlich getroffen werden.“